Aufnahmetechnik

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Myro Schwarze Perle

Die Probleme der Aufnahmeseite[Bearbeiten]

Hier wird das ganze Dilemma von Multimikrofonaufnahmen deutlich: Laufzeitprobleme, Kammfiltereffekte, Intensitätsunterschiede usw. Je nach Wellenlänge der Schallwellen und in Abhängigkeit von Laufzeitdifferenzen entstehen völlig chaotische Überlagerungen, Additionen und Subtraktionen von Schallwellen. Das Ergebnis ist ein Kunstprodukt. Ab einer gewissen Laufzeitdifferenz und dem damit verbundenen großen Pegelunterschied werden die Überlagerungen von Schallanteilen unproblematischer und vom Gehör eher als Raumklang wahrgenommen. Hierbei geht es aber um viele Meter Streckendifferenz. Die Transienten werden z.B. bei Schlagzeugaufnahmen allerdings regelmäßig verzerrt und die ursprüngliche Impulsdynamik wird geschwächt. Das beschriebene gilt prinzipiell für alle Aufnahmen mit mehr als einem Mikrofon. Bei der Wiedergabe über Lautsprecher tritt diese Problematik anschließend gleich zweimal auf.

1. Stereophonie: Selbst wenn der Zuhörer exakt in der Mitte (millimetergenau gleicher Abstand zu den LS) sitzt, seine beiden Ohren sind es nicht. Wenn wir also z.B. die Hauptinterpreten über beide Lautsprecher gleich laut präsentiert bekommen, damit diese in der Mitte abgebildet werden, dann nimmt jedes unserer Ohren den Sänger zweimal, kurz aufeinanderfolgend, wahr. Die beiden Schallereignisse liegen zeitlich nah beieinander und werden somit als ein zusammengehörendes Ereignis wahrgenommen. Soweit so gut, wir hören einen Sänger und nicht zwei. Die zwei an jedem Ohr zeitversetzt eintreffenden Schallereignisse bilden aber ein sich überlagerndes und somit neues künstliches Schallgemisch. Unabhängig davon, wie unser Ohr kurzzeitversetzte Schallwellen wahrnimmt, wird diese Wahrnehmung eine andere sein als bei der originalen Schallstruktur.

2. Die Lautsprecher selbst: Wenn Chassis innerhalb eines Lautsprechers verpolt sind oder die Phase sich innerhalb des Übertragungsverlaufs verschiebt, dann erhalten wir ebenfalls als Output ein künstliches Schallgemisch. Hinzu kommt die Abstrahlproblematik jedes Konzeptes, unabhängig davon, ob es sich um einen "Ein-Wege-" oder um einen "Mehr-Wege-" Lautsprecher handelt.

Die Gestaltung einer Übertragungsstrecke für Schallereignisse ist also äußerst komplex und kompromissbehaftet. Monomikrofonierung und Monowiedergabe mit einem signal- / zeitrichtig wandelnden Lautsprecher bieten die größte Annäherung an das Original. Das Mikrofon muss dabei in ausreichend großem Abstand von den Schallquellen positioniert werden, um nicht bestimmte Schallanteile der Instrumente zu bevorzugen. Alle anderen Komponenten der Übertragungsstrecke dürfen natürlich auch keine Signal- / Zeitfehler machen.


Der Faktor Mensch[Bearbeiten]

Erfahrungen im Studiobereich zeigen:

1. Tonschaffende wissen oft nicht, was die Plugins mit den Signalen anstellen, obwohl sie in der Lage sind, mit ihrer Technik ein Vorher-Nachher zu analysieren. Es tut nur niemand. Kompressoren zum Beispiel komprimieren nicht nur, sie verbiegen massiv die Signalformen, sogar die spektrale Zusammensetzung der Signale.

2. Tonschaffende hören über ihr Equipment viele Phänomene nicht, z.B. die Einflüsse von Filtern bei der DSD-Konvertierung oder die Klangunterschiede von D/A-Wandlern. Folge: Sie verwenden einfach die Grundeinstellungen, also die Filter, die beim Einschalten aktiviert werden. Auch den Einfluss unterschiedlicher Clocks hören sie über ihr Equipment nicht, da die räumlichen Verbiegungen und andere Artefakte nicht als solche erkannt werden im allgemeinen Nebel der Abhörmonitore.

3. Tonschaffende brauchen einen großen Teil ihrer Zeit und Aufmerksamkeit für die Bedienung der ausufernden Digitalwerkzeuge. Das geht einher mit einer Bewusstseinsbildung dahingehend, dass man mit den digitalen Werkzeugen alles hinbiegen kann. Also einfach 7 bis 8 Mikrofone in einen Flügel stopfen und hinterher den ganzen Mischmasch irgendwie zu einem gefälligen Klangbrei hinbiegen . . . und das ebenfalls ohne wirklich zu hören, was man da eigentlich tut.

4. Die akustischen Bedingungen in den sogenannten "Studios" und die oft kommerzielle Abhängigkeit von Tonstudioausstattern, bzw. von der Verwaltung, tragen auch nicht zu besten Arbeitsbedingungen bei. Außerdem traut sich kaum ein Toningenieur, aus dem sehr konservativen Rahmen auszubrechen und Neues auszuprobieren und zu integrieren. Alles, was nicht der einmal festgesetzten "Norm" entspricht, ist verpönt.

Zusammengefasst ist es doch ernüchternd. Aber es ein paar Ausnahmen, Tonmeister, die diesen Titel zu recht tragen und sehr schöne Klangbilder / -erlebnisse produzieren.

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